Übersicht zu Abschlussarbeiten

Die Zukunft, die wir wollen, muss erfunden werden.
Sonst bekommen wir eine, die wir nicht wollen.” – Joseph Beuys

Es gibt kaum ein wichtigeres Thema, was uns in Zukunft mehr beschäftigen wird, als der Klimawandel und die Mobilität. Wachsende Städte kämpfen schon heute mit der Überlastung des Straßennetzes. Der ÖPNV ist nahezu ausgereizt und der Raum für neue öffentliche Verkehrsmittel ist begrenzt.

Was wäre, wenn der Luftraum als dritte Ebene nutzbar wäre? Wenn es möglich wäre, morgen schon ohne Stau zur Arbeit schweben zu können? Ein technisch sehr bewährtes System mit hohen Sicherheitsstandards und großen Beförderungskapazitäten ist die Seilbahn. Es sollte sich nicht um eine reine Punkt-zu-Punkt Verbindung handeln, sondern um ein ganzes System, welches den vorhandenen ÖPNV unterstützt. Je größer ein System ist, umso effizienter kann es funktionieren.

Um dies bewältigen zu können wurde 2022 eine fakultätsübergreifende Forschungsgruppe an der TH Köln gegründet. Es entstanden durch die Studierenden des Studiengangs Bauingenieurwesen (Vertiefung Verkehrswesen) Eric Schweden und Moritz Kampschulte realistische Streckenführungen. Die Architekturstudentin (Vertiefung Corporate Architecture) Lucy Giebat hat sich der Ausarbeitung der Stationen gewidmet. Betreut wurde die Gruppe durch Prof. Dr. Volker Stölting (Bauingenieur, Lehrgebiete Schienenverkehr und öffentliche Verkehrssysteme) und Prof. Jochen Siegemund (Architekt, Lehrgebiet Entwerfen, Objekt- und Raumgestaltung) und Mirjam Matthiessen (Architektin, Studio Schlotthauer Matthiessen, Hamburg). Zusätzliche Unterstützung gab es durch den Think-Tank Urban Netways, welches sich seit längerem mit einer On-Demand Technik beschäftigt.

Die Bauingenieure erarbeiteten zwei Seilbahnnetze, die zum einen den Verkehr der Kölner Innenstadt ergänzt und zum anderen den Kölner Norden bis Leverkusen Mitte verbindet. Die Seilbahn überquert ausschließlich öffentliche Flächen, wie etwa Straßen und den Rhein. Das Netz hat eine gute verkehrliche Anbindung an den bestehenden Nahverkehr. Es wurden dabei Kabinen für 10 bis 15 Personen gewählt, die barrierefrei und geeignet zur Fahrradmitnahme sind. Diese fahren alle 30 Sekunden ab und können maximal bis zu 5.000 Personen pro Stunde und Richtung transportieren. An vielen Stellen kommt es zu Reisezeitverkürzungen. Eine Belastungsuntersuchung zeigt, dass die Rheinquerungen von vielen Passagieren genutzt würden. Die Annahme, dass die Seilbahn die vorhandenen Verkehrsmittel unterstützen und entlasten kann, wird dadurch bestätigt. Umfangreiche Berechnungen haben gezeigt, dass für die Seilbahnstrecke ein positives Kosten-Nutzen Verhältnis möglich sei. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Seilbahn als Ergänzung bestehender Verkehrsmittel eine vielversprechende Option darstellt.

Die Architekturstudentin Lucy Giebat hat sich in ihrer Masterarbeit mit der Ausarbeitung der Stationen beschäftigt. Bei den Stationen kann es sich um Minimalstandorte handeln, bei denen nur das Kernbedürfnis der Mobilität zu tragen kommt, oder aber um erweiterte Anlagen, die viele Bedürfnisse des täglichen Lebens erfüllen. Eine Besonderheit ist das integrierte On-Demand-System. Der Fahrgast kann ohne Halt an sein Ziel gelangen. Tagsüber steht der Personenverkehr im Vordergrund und nachts die Logistik. Das Konzept basiert auf einem modularen Baukastensystem, das Stationen flexibel in Größe und Funktion an unterschiedliche Standorte anpasst und eine schnelle Umsetzung ermöglicht. Beispielhaft wurden zwei Stationen hierzu architektonisch umgesetzt, der Ubierring (Minimalstation) und der Deutzer Hafen (erweiterte Station).

Im Jahr 2024 entwickelte Vincent Weisbrod auf der Grundlage der Konzeptstudien von Urban Netways und den Simulationen von Moritz Kampschulte eine Stationsarchitektur für Köln Chorweiler. Betreut wurde er von Prof. Paul Böhm (Vertiefung Strategien des Entwerfens und Konstruierens).

Text: M. A. Lucy Giebat, bearbeitet von U.N.