Vorstudie Köln Chorweiler – Leverkusen

Strecken-Optionen mit Vorzugsvariante (weiß) und Alternativen, die von Urban Netways entwickelt wurden (siehe Grafik)

Einleitung

Das Kölner Straßen- und Schienennetz hat sich historisch entlang der mittelalterlichen und antiken Wegebeziehungen v.a. des linksrheinischen Siedlungsgebietes entwickelt. Die Verkehrsachsen verlaufen radial in Richtung Stadtzentrum bzw. von diesem sternförmig wieder hinaus in das Umland.

Nutzer*innen des ÖPNV, insbesondere der Stadtbahn, erfahren diesen Umstand bis heute alltäglich. Wer von einem Randgebiet Kölns in ein anderes reisen möchte, muss in den meisten Fällen Umwege über die Innenstadt in Kauf nehmen. Nur wenige Angebote, wie die Stadtbahn Linie 13 über den Gürtel, bieten eine Alternative.

Der Transitverkehr auf den Nord-Süd – und Ost-West-Achsen der Stadt beträgt rund 30% im Verhältnis zum Quell- und Zielverkehr. Die Konsequenzen betreffen sowohl Verkehrsteilnehmer*innen als auch Mobilitätsdienstleister. Die regelmäßige Überlastung der Straßen- und Schieneninfrastruktur führt zu verlängerten Reisezeiten, erhöhten Emissionen, Stau auf den Straßen und Betriebsstörungen im ÖV. 

Einer außerordentlichen Belastung sind die rheinquerenden Brücken als Verkehrsnadelöhre ausgesetzt. Die meisten von ihnen wurden in der Mitte des letzten Jahrhunderts errichtet – mutmaßlich unter Prognosen für geringere Belastungen (Gewicht und Anzahl Vehikel) als sie heute zu tragen haben. Materialermüdungen zwingen zu aufwendigen Sanierungsmaßnahmen. Überlegungen zur Vergrößerung der bestehenden und Neubau zusätzlicher Brücken stehen vor städtebaulichen und denkmalpflegerischen Hürden.

Tangentiale Trassenführungen, auch Ringstrecken genannt, erschließen die städtischen Randgebiete mit einem ÖPNV-Angebot, verkürzen die Reisezeiten und entlasten die Verkehrsachsen der Innenstadt.

Als Richtschnur für künftige Verkehrs- und Siedlungsplanungen im Kölner Raum skizziert das Agglomerationskonzept des Köln/Bonn e.V. einen zweiten ÖPNV-Ring mit einer Rheinquerung auf Höhe von Köln-Merkenich und der Stadt Leverkusen. Das Agglomerationskonzept war bereits Grundlage für weitere vom Rat der Stadt Köln beschlossene Entwicklungskonzepte wie z.B. die Kölner Stadtperspektiven 2030+.

Der Neubau der Autobahnrheinbrücke A1 wurde ohne eigenes Gleisbett für den SPNV konzipiert. Eine in der Vergangenheit diskutierte Busverbindung zwischen Leverkusen über Merkenich, Chorweiler bis nach Dormagen steht vor absehbaren Herausforderungen: eine attraktive Taktung bedarf eines hohen und kostenintensiven Personalaufwandes. Die Zuverlässigkeit eines Buslinientaktes ist abhängig vom auch künftigen Staugeschehen auf der Autobahn A1.

Gleichzeitig bieten die weitläufigen Industrieareale beiderseits des Rheines, die Siedlungs- und Kulturstandorte sowie die Naherholgungsgebiete (Neuland-Park und Fühlinger See) ein hohes städtisches Entwicklungspotenzial.

Neben den Ausarbeitungen des Agglomerationskonzeptes ist für diese Vorstudie bei der Untersuchung einer potenziellen Trassenführung die Vernetzung und damit Attraktivierung des bestehenden ÖPNV-Netzes maßgeblich.  

Ein besonderer Aspekt bei der Euruierung eines modernen und umweltfreundlichen Verkehrsträgers ist auch die Historie und Zukunftsaussicht des Betrachtungsraumes als regioanler Forschungs-und Wissenschaftsstandort für Elektrobolität

Auf dem heutigen Gelände des Fühlinger Sees wurde bereits in den 1950er Jahren die sogenannte Monorail ALWEG-Bahn auf dem dortigen Testgelände entwickelt. Sie fand später u.a. in Seattle, Turin und Tokio zu ihrem Einsatz. Aktuell investiert der Automobilhersteller FORD zur Produktion von elektrogetriebenen Fahrzeugen rund drei Milliarden Euro in seinen Standort in Köln-Merkenich.

Einer auf eigener Trasse zuverlässig operierenden Seilbahn, die sowohl die radialen Stadtbahn- und regionalen SPNV-Linien miteinander vernetzt, als auch die wichtigen Gewerbe- und Industriestandorte links- wie rechtsrheinisch erschließt, darf ein Nutzen für die Verkehrs- und Stadtentwicklungsplanung der Städte Köln und Leverkusen unterstellt werden, der durch alternative ÖPNV-Systeme mittelfristig nicht zu erreichen ist.

Als Ausgangspunkt für solch eine Abwägung und weitere notwendige Begutachtungen fokussiert sich diese Vorstudie auf elementare Aspekte bei der Auswahl geeigneter Stationspunkte.

Erweitertes Einzugsgebiet

Stationsumgebungen im Umkreis von jeweils 5 km sowie das Gesamteinzugsgebiet der Vorzugsvariante
Möglicher Lückenschluss im Kölner Bahn-Netz (Grafik auf Basis des Netzplans der KVB)

Seilbahn und E-Bus im Vergleich - für den Kölner Norden

Vor- und Nachteile von Verkehrsmitteln
Quelle: Die Stadtgestalter

Relevanz

Laut des integrierten regionalen Mobilitätskonzeptes Rhein-Wupper besteht in einer neuen ÖPNV-Verbindung zwischen Leverkusen und Chorweiler (mit Endstation in Dormagen) eine hohe regionale Relevanz sowie ein hoher erwarteter Zeitgewinn. Entsprechend sei ein Schnellbus geplant, welcher mittelfristig umgesetzt werden solle.

Die Grafik zur linken zeigt einen Vergleich u.a. von Seilbahnen mit fossil betriebenen Bussen im allgemeinen. Im Folgenden wird ein ähnlicher Vergleich in gleicher Reihenfolge gezogen, jedoch im speziellen auf die Verbindung Chorweiler – Leverkusen und auf E-Busse bezogen. Elektrisch betriebene Busse werden zunehmend eingesetzt und unterscheiden sich zu ihren Vorgängern v.a. hinsichtlich Infrastruktur, Investitions- und Betriebskosten sowie Emissionen.

Leistung

Die Geschwindigkeit einer Seilbahn ist konstant und liegt je nach System zwischen 21 und 31 km/h. Bei der Gesamtstrecke von 7,6 km ist Inkl. Stationsdurchfahrten eine Gesamtfahrzeit zwischen 20 bis 30 Minuten (je nach System) zu erwarten. Ein E-Bus fährt durch eine weniger direkte Streckenführung die gleiche Verbindung zwischen 13,3 und 18 km und benötigt inkl. Haltestopp in Merkenich bei optimalen Bedingungen mind. 25 bis 30 Minuten.

Personal

Für die Wartung von Seilbahnengondeln, Seilbahntechnik sowie von Ladestationen für Busse und die Busse selbst wird jeweils technisches Personal benötigt, um den jeweils zuverlässigen Betrieb gewährleisten zu können.

Für die Beförderung selbst werden bei Bussen jeweils eine fahrende Person pro Fahrzeug benötigt. Bei Seilbahnen reichen zwei Personen, die von einem zentralen Punkt aus den ordnungsgemäßen Betrieb überwachen. Die Stationen selbst können bei modernen Seilbahnen ohne Personal auskommen.

Schon heute fehlt Personal für das Fahren von Bus und Bahn. In Zukunft, das zeigen Prognosen, ist zu erwarten, dass die Lücke zwischen Bedarf und tatsächlichen Arbeitskräften noch deutlich größer wird.

Weitere Faktoren

Viele weitere Faktoren sollten beim der Wahl des Verkehrsträgers zum Decken von Bedarfen verglichen werden. Die Grafik links gibt einen allgemeinen Überblick. In unserer Analyse zu Life Cycle Emissionen gehen wir auf einen weiteren Faktor im Detail ein. Für die Kölner Strecke hat zudem Moritz Kampschulte in seiner Abschlussarbeit weitere Faktoren wie Kosten in den Blick genommen.